Die Woche – der Pfefferminzia Podcast für Versicherungshelden

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Die Woche 264: Altersvorsorgereform und Expats

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Moin aus Hamburg und herzlich Willkommen zu Folge 264 unseres Podcasts. Heute ist Freitag, der 17. April 2026.

Und diese Themen haben wir heute für Sie: • Der Schmolltalk entfällt heute, weil Scholle beruflich unterwegs ist. Dafür haben wir zwei Interviews für Sie. • Jörg Stotz, Sprecher der Geschäftsführung bei Hansainvest, redet mit Scholle über die Altersvorsorgereform und das Altersvorsorgedepot. • Ingo Trosiner, Direktor Vertrieb BDAE Gruppe, geht auf Markttrends, fachliche Anforderungen und typische Beratungsfehler in Sachen Expats ein. • Und in den News der Woche hat Gesundheitsministerin Nina Warken ihr Reformpaket für die GKV vorgestellt. Eine Umfrage geht darauf ein, wie Beschäftigte zum Opt-out-Modell in der bAV stehen. Menschen sind im Schnitt acht Jahre berufsunfähig. Und es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, was sich Kunden im Schadenfall wirklich wünschen.

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Aus der Redaktion (#Schmolltalk) Der Schmolltalk entfällt heute.

Im Gespräch Mit Jörg Stotz, Hansainvest Jörg Stotz findet die Altersvorsorgereform „grandios“. Ja, das soll es geben. Der Sprecher der Geschäftsführung bei Hansainvest freut sich einfach, dass sich endlich was in Sachen private Altersvorsorge tut. Und natürlich ist die Investmentbranche auch eher einer der Gewinner der Reform. Trotzdem sieht er auch Kritikpunkte, vor allem in der Rolle des Staates als Anbieter eines Altersvorsorgedepots. Was er da konkret bemängelt, auch in Sachen mögliche Vertriebsaktivitäten des Staates, und ob Hansainvest schon an einem Produkt baut, erklärt er jetzt gegenüber Scholle im Gespräch.

Die News der Woche Der Zeitplan ist straff: Bis zum 29. April will Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) einen Kabinettsbeschluss für ihr GKV-Reformpaket erreicht haben. In den vergangenen zwei Wochen habe ihr Haus die 66 Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit durchleuchtet. Mehr als drei Viertel der Vorschläge hat die Ministerin in ihr Paket übernommen, erklärte sie im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag.

Das Paket stützt sich auf zwei Grundprinzipien: Erstens sollen Preis- und Vergütungszuwächse in allen Leistungsbereichen künftig an die tatsächliche Einnahmenentwicklung der GKV gekoppelt werden. Es gibt keine pauschalen Kürzungen, sondern eine Deckelung von Ausgabensteigerungen. Zweitens sollen nur noch Leistungen finanziert werden, die für Versicherte einen nachweisbaren Nutzen haben.

Es sind viele verschiedene Vorschläge, die die Ministerin ins Spiel brachte. Hier nennen wir nur einige davon: • Schrittweise Einführung eines verpflichtenden Zweitmeinungsverfahrens im stationären Bereich • Einführung von Rabattverträgen für therapeutisch gleichwertige Patentarzneimittel • Streichung der extrabudgetären Vergütung für die Erstbefüllung und Aktualisierung der elektronischen Patientenakte • Begrenzung der Verwaltungsausgaben der Krankenkasse, Halbierung der Werbeausgaben • Vergütungsobergrenzen für außertariflich beschäftigte Führungskräfte bei Krankenkassen, Medizinischen Diensten und Kassenärztlichen Vereinigungen • Anhebung der Zuzahlungsgrenzen (erstmals seit 2004)

Auch die beitragsfreie Familienversicherung für Ehepartner will Warken (Zitat) „modifizieren, aber nicht abschaffen“. Was heißt das? Ab 2028 soll für bisher beitragsfreie Ehepartner ein einkommensabhängiger Beitrag von 3,5 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens des GKV-Mitglieds eingeführt werden. Ausgenommen bleiben Kinder, Eltern von Kindern unter sieben Jahren, pflegende Angehörige und Personen jenseits der Regelaltersgrenze.

Warken beziffert das Einsparpotenzial der Maßnahmen auf etwa 20 Milliarden Euro für das kommende Jahr. Die anstehende Reform werde „ein Kraftakt“ sein. Sei aber dringend notwendig, um die „Großbaustelle GKV-Finanzen“ anzugehen und diese zu stabilisieren und um darauf dann die mittel- bis langfristig wirkenden Strukturreformen aufzusetzen.

Jingle Das sogenannte Opt-out-Modell aus dem Zweiten Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG II) soll ab Juli greifen: Arbeitgeber können ihre Beschäftigten dann automatisch in die betriebliche Altersversorgung (bAV) aufnehmen, es sei denn, die Mitarbeitenden widersprechen. Damit soll sich die bAV weiter verbreiten.

Doch eine Studie des House of Finance & Tech Berlin (HOFT) und der Financial Health Initiative mit 5.020 Beschäftigten schürt Zweifel, ob das auch wirklich klappt. Wie kommt das? Die „Employee Financial Wellbeing Studie 2026“ befasst sich insbesondere mit einem Phänomen, das die finanziellen Entscheidungen der Menschen beeinflusst: dem finanziellen Stress.

Und 38 Prozent der Beschäftigten in Deutschland sind laut der Studie finanziell gestresst. In kleinen Unternehmen mit unter 50 Mitarbeitern liegt die Quote sogar bei 43 Prozent. Die Studienautoren sehen folgendes Risiko: Wer sowieso schon auf jeden Euro schauen muss und den langfristen Vorsorgeeffekt nicht einsieht, wird wohl nicht hinnehmen, dass das Netto sinkt. Und damit die Veto-Karte ziehen.

Dagegen hilft auch nicht mehr Gehalt. 58 Prozent der Beschäftigten erhielten in den vergangenen zwölf Monaten mehr Geld. Doch fast jeder Dritte davon fühlt sich weiter finanziell gestresst. Das lasse sich nicht einfach mit mehr Geld wegverhandeln, meinen die Studienautoren. Die Ursache liege stattdessen tiefer: fehlende Finanzkompetenz, mangelnde Vorsorgeplanung und das Gefühl, den Überblick verloren zu haben.

Jingle „Eine Berufsunfähigkeit trifft mich nicht – und selbst wenn, kann ich das finanziell überbrücken“. Mit diesem Irrglauben entschließen sich viele Menschen gegen den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Das Problem: Ein Leistungsfall in der Berufsunfähigkeitsversicherung dauert im Schnitt 93 Monate – also fast acht Jahre. Das hat die Zurich Gruppe Deutschland nach einer Analyse ihrer Bestandsdaten herausgefunden.

Betroffen sind dabei nicht nur diejenigen mit körperlich belastender Arbeit. Besonders häufig verzeichnet die Zurich BU‑Leistungsfälle bei medizinischem Personal, kaufmännischen Berufen oder bei pädagogischen Fachkräften. „Es sind Berufe mit hoher Verantwortung, ständigem Zeitdruck und einer großen emotionalen Beanspruchung“, sagt Andreas Runkler, Bereichsleiter Produktentwicklung Leben bei der Zurich Gruppe Deutschland.

Haupttreiber von Berufsunfähigkeit ist die Psyche. Rund 30 Prozent der BU‑Fälle im Markt gehen auf psychische Erkrankungen zurück. Es folgen Krebserkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates mit jeweils etwa 20 Prozent.

Ein weiteres Problem: Selbst wenn sich Menschen für eine Berufsunfähigkeitsversicherung entscheiden, liegt die vereinbarte BU-Rente meist zu niedrig. Im Jahr 2025 zahlte Zurich im Leistungsfall durchschnittlich rund 900 Euro BU‑Rente pro Monat aus. „Für ein auskömmliches Leben reicht dieser Betrag in vielen Fällen nicht – insbesondere dann nicht, wenn Berufsunfähigkeit über Jahre andauert“, warnt Runkler.

Jingle Kunden wollen einen Schaden vor allem fix bearbeitet haben und ihn digital melden können. So stellen sich das die Versicherer vor. Tatsächlich sind den Kunden aber ganz andere Sachen wichtig. Ihnen kommt es vor allem auf die Höhe der Entschädigung an, ein persönlicher Ansprechpartner soll bitte zur Verfügung stehen und ja, sie wollen den Schaden digital melden können.

Das geht aus einer Befragung von 108 Versicherungsmitarbeitern und 514 Endkunden hervor, die die Versicherungsforen Leipzig durchgeführt haben. Franz Gündel, Leiter Schaden- und Betrugsmanagement bei den Versicherungsforen Leipzig, schätzt das Ergebnis wie folgt ein: „Versicherer laufen Gefahr, den Fokus zu stark auf die administrative Abwicklung zu verengen. In der emotional belastenden Situation eines Schadens suchen Kundinnen und Kunden aber vor allem finanzielle Sicherheit und menschliche Empathie.“ Ein modernes Schadenmanagement müsse also Schnelligkeit mit individueller Betreuung synchronisieren, meint er.

Im Gespräch Mit Ingo Trosiner, BDAE Gruppe Immer mehr Menschen verlassen Deutschland – zeitweise oder dauerhaft. Doch was bedeutet das für die Beratung? In einer weiteren Folge von „Lass mal reden“ erklärt Ingo Trosiner, Direktor Vertrieb BDAE Gruppe, Markttrends, fachliche Anforderungen und typische Beratungsfehler. Jetzt geht’s los. Hier geht es zum Video des Interviews: https://www.pfefferminzia.de/branche/deutsche-vertraege-gelten-nicht-automatisch-weltweit/

Und das war es mit dieser Podcast-Folge. Wir hören uns am kommenden Freitag wieder! Bis dahin gilt wie immer: Bleiben Sie optimistisch, genießen Sie das Wochenende und kommen Sie gut in die neue Woche.


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Über diesen Podcast

Jede Woche gibt es von der Redaktion des Fachmagazins und Onlineportals Pfefferminzia was auf die Ohren. Sie hören die wichtigsten Versicherungsthemen der Woche, die die Branche bewegt haben, garniert mit Trends, Tipps, Meinungen und Hintergundinfos. Schalten Sie ein – jeden Freitag neu!

von und mit Karen Schmidt, Andreas Harms

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