Die Woche 261: Altersvorsorgereform und Finanzgenies
Moin aus Hamburg und herzlich Willkommen zu Folge 261 unseres Podcasts. Heute ist Freitag, der 27. März 2026.
Und diese Themen haben wir heute für Sie: • Im Schmolltalk sprechen wir über die Reform der privaten Altersvorsorge, auf die sich die Regierung in dieser Woche geeinigt hat. Und es geht um unser neues Heftgeflüster. • Mit Markus Stadler von den Finanzgenies sprechen wir über deren breit aufgestelltes Geschäftsmodell und die Konkurrenz zum Maklerpool. • Und in den News der Woche hat die Eiopa Zahlen dazu, wie oft Versicherungsvermittler sanktioniert wurden. Karl Lauterbach würde gern die Rente anders verteilen. Die Regierung überlegt, die kostenfreie Mitversicherung in der GKV abzuschaffen. Und Naturkatastrophen waren 2025 relativ günstig.
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Aus der Redaktion (#Schmolltalk) Die Regierung hat sich auf das Altersvorsorgereformgesetz geeinigt. Sie hat einige Details geändert und die Förderquoten deutlich erhöht. Jetzt ist der Bundestag dran. https://www.pfefferminzia.de/vorsorge/regierung-erhoeht-foerderung-und-senkt-kostendeckel/
Am 14. April ist das nächste Heftgeflüster! Hier anmelden: https://afterwork.pfefferminzia.de/
Im Gespräch Mit Markus Stadler, Finanzgenies Die Finanzgenies haben sich eine Marktnische gesucht und sich dort so richtig gemütlich eingerichtet. Sie nehmen den angeschlossenen Vermittlern alle Themen ab, auf die sie keine Lust haben und haben so schon etwa 200 Makler gewonnen. Ein paar Einblicke in dieses Modell gibt mir jetzt Mitgründer und Geschäftsführer Markus Stadler.
Die News der Woche Die Zahl der Sanktionen gegen Versicherungsvermittler ist 2024 gestiegen: 1.656 Maßnahmen verhängten die nationalen Aufsichtsbehörden. Das berichtet die europäische Aufsicht Eiopa, neuere Zahlen liegen noch nicht vor. Damit bleibt das Niveau zwar unter früheren Spitzenwerten (2021 waren es 5.151 Sanktionen). Aber die Werte zeigen im Vergleich zu 2023 nach oben, da waren es 1.510.
Die häufigste Maßnahme der nationalen Aufsichtsbehörden war dabei der Entzug oder die Rücknahme der Vermittlerlizenz. In 51 Prozent der Fälle verhängten sie diese Sanktion. 2024 entsprach das 844 Fällen. Diese Maßnahme stellt den schärfsten Eingriff dar, da sie Vermittlern die weitere Tätigkeit untersagt.
Daneben kommen unter anderem Geldbußen (2024: 318 Fälle) oder Unterlassungsanordnungen (2024: 264 Fälle) zum Einsatz. In der Summe erreichten die von Mitgliedstaaten verhängten Geldstrafen für 2024 eine Höhe von 1,6 Millionen Euro – das ist die höchste Summe seit 2018. Auf Deutschland entfielen 63.859 Euro.
Deutschland fällt im europäischen Vergleich durch eine hohe Zahl an Lizenzverlusten auf. Für 2024 weist die Statistik 495 derartige Fälle aus, kein anderes Land kommt an diesen Wert heran. 218-mal kam es hierzulande zu Geldbußen und 97-mal zu anderen Sanktionen.
Grund für die Sanktionen sind Verstöße gegen die Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD. Die Aufsicht ging in Deutschland ausschließlich wegen Verstößen gegen Kapitel IV IDD (Organisatorische Anforderungen) gegen die Vermittler vor. Dazu gehören etwa die Weiterbildungspflicht von 15 Stunden pro Jahr, der Abschluss einer Berufshaftpflicht in ausreichender Höhe oder der Besitz eines guten Leumunds (der Vermittler darf also beispielsweise nicht wegen schwerwiegender Straftaten in den Bereichen Eigentums- oder Finanzkriminalität ins Strafregister eingetragen sein oder pleitegegangen sein).
Jingle Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) regt an, dass besonders hohe gesetzliche Renten gedeckelt werden. Mit dem gesparten Geld könne man ärmeren Menschen mehr zahlen. Damit geht er einen kleinen Schritt in Richtung Einheitsrente, wie wir sie mal mit dem Volkswirt Sven Ebert vom Flossbach von Storch Research Institute in unserem Podcast besprochen haben.
Seinen Vorschlag lieferte Lauterbach in der ARD-Sendung „Caren Miosga“ am 22. März ab. Darin geht es ihm offenbar nicht nur um die reine Höhe der Rente. Er weist auch darauf hin, dass Menschen mit höheren Einkommen länger leben als ärmere. In keinem anderen Land in Europa hänge die Lebenserwartung derart stark am Einkommen wie in Deutschland, meint er.
Hohe Renten sind demnach also nicht einfach nur höher, sie laufen auch länger. Damit wiegen sie doppelt schwer. Deshalb sei es auch ungerecht, das Renteneintrittsalter für alle zu erhöhen. Dann hätten nämlich manche fast gar nichts mehr von ihrer Rente.
Und dann spitzt er zu, um zu verdeutlichen: Da sind Akademiker, die 35 Jahren einzahlen, um dann 20 Jahre Rente zu beziehen. Und andere zahlen fast 50 Jahre ein, haben aber nur 7 Jahre was von ihrer Rente, weil sie nur bis 72 leben. Lauterbach: „Das kann doch nicht richtig sein.“
Mit im Studio saß auch Kanzleramtschef Thorsten Frei von der CDU. Der pflichtete zunächst artig bei, dass die Rente gerecht sein muss. Ganz klar. Direkt zu Lauterbachs Vorschlag sagte er aber nichts. Die von der Regierung eingesetzte Rentenkommission werde noch ihre Vorschläge liefern. Geduld also, womit auch so zu rechnen war.
Jingle Wir bleiben mal bei umstrittenen Ideen, um den Sozialstaat zu stützen: Um die Krankenkassen-Finanzen zu verbessern, plant die Bundesregierung einem „Handelsblatt“-Bericht zufolge, die beitragsfreie Mitversicherung von Familienmitgliedern im Erwerbsalter abzuschaffen.
Heißt: Wer als Ehepartner bislang kostenlos mitversichert ist, soll künftig 225 Euro im Monat zahlen. 200 Euro für die Kranken- und 25 Euro für die Pflegeversicherung. Nicht zahlen müssten unbeschäftigte Ehepartner, die Kinder unter sechs Jahren oder pflegebedürftige Angehörige betreuen.
Jochen Pimpertz, Leiter Themencluster Staat, Steuern und Soziale Sicherung beim Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), ordnet das Vorhaben ein. „Arbeitsmarktpolitisch ist das sinnvoll“, schreibt er. „Denn von der bisherigen Regelung profitieren vor allem klassische Ein-Verdiener-Ehen. Für den zweiten Partner lohnt sich der Einstieg in den Job oft nicht, wenn er von seinem Lohn auch eigene Krankenkassenbeiträge zahlen muss.“ Die Neuregelung könnte daher einen Anreiz setzen, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufzunehmen, glaubt Pimpertz.
Es kommt das unvermeidliche „Aber“: „Auf Dauer kann die Reform weder die Kranken- noch die Pflegeversicherung retten. Zwar bringen zusätzliche Beiträge den Kassen zunächst Mehreinnahmen. Doch das Finanzierungsproblem der Kassen liegt nicht auf der Einnahmenseite“, so Pimpertz. Vielmehr seien die Ausgaben der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung das Problem, weil sie seit Jahren deutlich stärker als die Einnahmen aus sozialversicherungspflichtigen Einkommen steigen.
„Mit der Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung kann die Bundesregierung lediglich etwas Zeit gewinnen, um das Ausgabenproblem zu lösen. Denn letztlich führt kein Weg daran vorbei, das Ausgabenwachstum zu bremsen, um eine nachhaltige Finanzierung zu sichern“, so Pimpertz‘ Fazit.
Jingle Auch wenn 2025 ein verhältnismäßig ruhiges Naturkatastrophenjahr war, ist das kein Grund, beruhigt zu sein. Es habe sich nur um einige günstige Umstände gehandelt, warnt der schweizerische Rückversicherer Swiss Re.
Im Jahr 2025 sorgten Naturkatastrophen für versicherte Schäden von rund 107 Milliarden US-Dollar, ungefähr 93 Milliarden Euro. Schlimmstes Ereignis waren mit Abstand die Waldbrände in und um Los Angeles mit Schäden von 40 Milliarden Dollar. Die teuersten Waldbrände bislang überhaupt.
Jedoch: Der langfristige Trend hätte eigentlich 2025 für Schäden in Höhe von 140 Milliarden Dollar gesprochen, heißt es weiter. Doch diese Differenz solle nicht heißen, dass die Risiken weniger geworden sind. Stattdessen vermutet man bei Swiss Re, dass sie zusammen mit dem Wirtschaftswachstum weiter steigen. Und dass die nächste große Katastrophe entsprechend höhere Schäden anrichtet.
Nehmen wir wieder den langfristigen Trend, dürften die Schäden im jetzt laufenden Jahr auf 148 Milliarden Dollar klettern. In einem besonders extremen Szenario könnte die Summe sogar auf 320 Milliarden Dollar steigen. Dazu zitiert das „Handelsblatt“ Swiss-Re-Chefvolkswirt Jérôme Haegeli, wonach die weltweit versicherten Schäden aus Naturkatastrophen um 5 bis 7 Prozent im Jahr stiegen. „Immer mehr wertvolles Eigentum steht in Gefahrenzonen, und die Wiederaufbaukosten steigen“, sagte er demnach.
Abmod Und das war es mit dieser Podcast-Folge. Wir hören uns am kommenden Freitag wieder! Bis dahin gilt wie immer: Bleiben Sie optimistisch, genießen Sie das Wochenende und kommen Sie gut in die neue Woche.
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